Mittwoch, 19. April 2017

Interview: Auf der Bordsteinkante mit Voodoo Jürgens


Es fällt mir etwas schwer, bei diesem Thema den DIY-Bezug herzustellen. Allerdings ist Musik - im Idealfall - ja auch "echte Handarbeit". Jedenfalls habe ich kürzlich ein Gespräch mit dem österreichischen Liedermacher Voodoo Jürgens geführt. Platzmäßig sind Zeitungen oft sehr begrenzt. Aber da ich hier quasi Narrenfreiheit habe - im positiven Sinn natürlich - und das Interview viel zu nett fürs einsame Computer-Archiv fand - bitte sehr: Krumme Naht im (teilweisen Dialekt-)Gespräch mit Voodoo Jürgens. Na, wenn das mal nix is... Hier gehts zum offiziellen Text.

Seit 2015 ist David Öllerer mit seinem Solo-Projekt Voodoo Jürgens unterwegs, 2016 gelang ihm der  Durchbruch als Wiener Dialektsänger. In seinen Liedern geht es um das Leben abseits geregelter Bahnen. Mal will einer die Alimente nicht zahlen, mal hagelts Watschen - immer geht es um Außenseiter. Die Hauptprotagonisten sieht man förmlich in schummrigen Bars sitzen und erzählen – so text- und detailverliebt sind die Lieder. Worüber er singt, ist David nicht fremd. Sein eigener Weg führte ihn vom Konditorlehrling über Friedhofsgärtner zum Musiker. Aktuell ist Voodoo Jürgens gleich fünfmal für den wichtigsten österreichischen Musikpreis – den Amadeus – nominiert. Was er darüber denkt, wo er die Geschichten für seine Texte findet – ein After-Show-Gespräch auf der Bordsteinkante.  

-          Ist das für dich eigentlich eine Ehre für den Amadeus nominiert zu sein? Oder zu Mainstreamig?
Mainstreamig ist halt so a Gschicht... Weißt eh, ich mach im Endeffekt... Also ich kann hinter dem stehen, was ich mach, das hat sich dadurch ja nicht verändert. Und wenn das so ist, dass es eine breitere Masse erreicht, dann ist das schön. Wenn ich da jetzt umgsatzelt werde, wäre mir das vielleicht peinlich... Aber einerseits sudern die Leute immer herum dass der Mainstream so scheiße ist. Wenn dann mal jemand, der aus dem Underground kommt sowas macht, dann kommt der Vorwurf, dass man sich verkauft hat. Das ist halt schwierig. Allen recht machen kann man es eh nicht. Im Endeffekt ist das natürlich schon - wenn man aus kleinen Verhältnissen kommt - sicher eine Ehre irgendwie, dass man so einen Preis bekommen könnte. Also es ist mir jetzt nicht komplett wurscht, aber andererseits, wenns mir einen geben freu ich mich und dann hat sich die Geschichte erledigt. Ich brauch jetzt nicht jedes Jahr einen oder so... Aber ja, wär schon cool, würd mir schon taugen. Es ist ein bisserl so wie Matura machen oder so, hab ich ja nie gemacht, und wenn das so ist, dann ist das halt irgendwie so amtlich bestätigt, der ist a Musiker so auf die Art.

-         Wann hast du gemerkt, dass du singen kannst?
Naja, können... Aber getaugt hats mir schon immer. Das hat in der Volksschule schon angefangen dass ich gern gesungen hab. Dann in der Hauptschule bin ich drauf gekommen, dass ich ein bissl besser texten kann als die anderen; da haben wir so spaßhalber Lieder geschrieben und den anderen ist das halt sehr schwer gefallen und mir hat das eigentlich ganz gut getaugt. Dann bin ich irgendwie so zum HipHop gekommen , haben wir da ein bissl herumgewerkt, aber ich hab halt nie ein Instrument spielen können. Mit 16, 17 hab ich angefangen mich wirklich damit zu beschäftigen und das intensiv Musik machen.

(c) lotterlabel

-         Was heißt es, in Österreich bekannt zu sein? Oder bist du mittlerweile in Deutschland bekannter?
Na, bekannter net. Es ist durch den Dialekt so dass es Österreich schon am besten funktioniert, auch in Bayern. Aber wir spielen halt schon im restlichen Deutschland auch und da ist es dann irgendwie so dass die Textebene ein bisserl wegbricht . Dadurch, dass es die gleiche Sprache ist verstehen sie schon Teile davon aber man merkt, dass ein bissel was fehlt. Aber Musik kann das ja trotzdem, dass  man da einfach zuhören kann. Ich glaube, das geht bei den Nummern ganz gut, dass man so ungefähr mitbekommt auf was ich hinaus will - auch wenn man nicht jedes Wort versteht.

-          Warum wird das gerade jetzt so angenommen, wieso bist du aufs Wiener Lied gewechselt?
Das ist gar nicht so eine Frage von wechseln gewesen, sondern eher etwas gewesen was ich schon immer machen wollte. Die andere Band (*Anm. Die Eternias), das habe ich seit 12 Jahren gemacht, ist eingangen, die Gitarristin ist nach Berlin gezogen und dann war irgendwie Zeit etwas Neues zu machen. Das habe ich eh schon lange vorgehabt, dass ich das Projekt einmal starte und habe dafür auch viel zusammen gesammelt. Ich hab ich das dann gemacht und das hat glücklicherweise gut mit dem zusammen gepasst, dass sich in der Zwischenzeit so eine Szene aufgetan hat. Oder halt ein Interesse grad an Dialektmusik wieder da ist. Aber ich hab es jetzt nicht gemacht weil ich glaub dass genau das jetzt grad funktioniert...

UNTERBRECHUNG

Mädchen: „Darf ich ein Autogramm haben?“
„Ja...“
„Ich hab das glaub ich das erste Mal in meinem Leben gefragt. Cool wars, echt geil!“
„Ja, danke, freut mich!“
„Nicht schlecht, kaun ma nix sagen, ge!“
„Ja...“
„Bist du immer mit der Band unterwegs?“
„Na, ich hab alleine angefangen, und irgendwann entschieden dass man es mit Band genauso machen kann.“
„Aber du schreibst die Texte selbst?“
„Ja...“
„Heute grab ma Tote aus geht sooo ins Ohr, das ist richtig gruselig“
„Ja... einen Hit braucht man, sonst ....“
„Ja, das ist wirklich das... da sind alle dabei... damit hast du mich auch gecatcht. Ja cool, danke... Oh, machts ihr grad ein Interview?“
„Ja, kein Problem...“

-          Das muss echt arg sein, wenn die Leute herkommen und sagen, he ich will ein Autogramm von dir...
Ja... An solche Sachen gewöhnt man sich irgendwie auch. Was mich aber nach wie vor immer flasht ist, wie unverschämt Leute sind wenn sie so reinfahren... So wurscht, wennst grad mit jemanden redest. Egal, ich will jetzt was und ich werd das jetzt los, das is so ein Klassiker, I was net...
In dem Moment so „ich nehm mir das jetzt raus, das ist so eine Art, die ich einfach schwierig finde. Das hat ja auch mit Respekt zu tun, auch nicht nur mir gegenüber. Wenn man jetzt mit jemanden anderen redet, ists ja wurscht ob ich jetzt der Voodoo Jürgens bin oder irgendwer. Man machts prinzipiell nicht, dass man in ein Gespräch einfach so reinplatzt.



-          Du bist ja auch immer noch der private David
Ja, eh, voll. Aber in der Mission eignet man sich das schon an. Also ich stell mich ja schon als Voodoo Jürgens vor und bins auch, das ist schon auch so ein Schutz irgendwie. Die Figur ist da um nicht immer alles so preiszugeben. Also da muss man immer ein bisserl schaun. Aber um das einfach aufrecht zu erhalten muss man auch die Wand runter ziehen...

-          Wie ist das Gefühl einen Nummer 1 Hit zu haben? (Anm. "Heite grob ma Tote aus")
I was net, ich versuch das immer so ein bisserl wegzuschieben. Sicher ist das flashig  was da passiert, anderseits... Weisst eh, hat man jahrelang probiert dass man von dem leben kann was man so macht. Und wenn das dann eintritt, ist es natürlich schon flashig aber es ist auch nix was einen jetzt so betrifft die ganze Zeit. Das schiebe ich eher weg, weil ich weiss auch nicht was ich mit der Information jetzt mache. Man will ja so bleiben wie man ist. Und sich dann soviel drauf einbilden... das ist ja nicht cool.



-          Wie findest du zu den Liedtexten?
Ich hab da irgendwie so einen Fundus an Geschichten und ich geh halt oft spazieren und da fällt mir was ein. Oft sind es auch nur Gesprächsfetzen oder so einzelne Sätze die man aufschreibt und sich denkt um das Rundherum könnte man eigentlich eine Geschichte bauen. Und dann hab ich eben so zu Hause am Computer verschiedenste Sätze und Wörter auf die ich zurückgreifen kann, und so bastle ich mir das dann immer zam. Oder man macht halt auch was komplett Neues.

-          Vor allem in Wien siehst ja auch oft spannende Menschen
Kann man überall theoretisch. Aber dieses aktive Suchen funktioniert eh nicht. Man muss es eher zulassen...



-          Apropos spannend - wo kaufst du dein Gwand?
In Second Hand Shops und auf Flohmärkten. Nur da bekommst diese Hemden mit solchen langen 70er-Jahre Kragen. Wir sagen da in der Band immer „Jimmy-Hemden“ (*Hendrix) dazu.

-         Das wichtigste zum Schluss – Bier oder Wein?
Hm, immer so Phasen eigentlich... Eine zeitlang habe ich sehr gern Rotwein getrunken. Wein ist auch besser auf der Bühne, weil das Bier mit der Kohlensäure... Das ist ein bissl deppert beim Singen wenn man Rülpsen muss. Das kommt blöd...







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